DIE POLITIKER
Inszenierung: Teamarbeit
Mit: Isolde Cobeț, Alma Diaconu, Boris Gaza, Rareș Hontzu, Bülent Özdil, Daniela Török, Oana Vidoni, Harald Weisz
In diesem Text, der sich schwer einem Genre zuordnen lässt und sich an der Grenze zwischen Lyrik und Drama befindet, dekonstruiert Wolfram Lotz den Begriff „Politiker” durch die übertriebene Wiederholung des Wortes. Dadurch wird eine komische, teilweise auch irritierende Ebene des Absurden erreicht. Das Werk basiert auf einem langfristigen Projekt des Autors: 2018 hatte er die Arbeit an einem „Totaltagebuch“ begonnen, das sein Leben ununterbrochen und bis ins Detail dokumentieren sollte. Überwältigt von dem Gedanken, ob er ein derart persönlich geprägtes Werk veröffentlichen sollte, löschte Lotz die Datei und schrieb 2022 den Roman Heilige Schrift I, der Teile vom Tagebuch enthält. Aus den Politikern wurde dagegen ein Theatergedicht, in dem Lotz philosophische Reflexionen, metafiktionale Passagen und Witze in spielerisch-poetischer Form zusammenführt.
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GERMAN SONG NIGHT
Mit: Dana Borteanu, Roxana Ardeleanu
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LAIOS
Inszenierung: Alexandru Mihăescu
Mit: Yannick Becker, Ioana Iacob, Marc Illich, Ida Jarcsek-Gaza, Alexandru Mihăescu, Simona Vintilă, Radu Vulpe.
Nach einer langen Zeit politischer Instabilität und blutiger Machtwechsel braucht Theben einen König. Sie setzen Laios, den letzten Nachkommen des Stadtgründers Kadmos, auf den Thron, in der Überzeugung, dass sie damit eine traditionelle Wahl treffen, eine sichere Wahl, die die Gemüter beruhigen und Stabilität bringen wird. Laios ist jedoch eine für diese Rolle völlig ungeeignete Persönlichkeit: egozentrisch und exzentrisch, selbst Opfer einer blutigen Kindheit in Theben, wird er schon in jungen Jahren ins Exil geschickt, wo er den jungen Kryssippos aus seiner Adoptivfamilie entführt, um mit ihm in die Welt zu fliehen. Als er an die Spitze von Theben gelangt, ohne dies wirklich zu wollen, vernachlässigt er seine Pflichten und wird besessen von dem Orakel, das ihm verbietet, mit Iokaste ein Kind zu zeugen. Gemeinsam trotzen sie den Göttern, denn Iokaste, die wunderbare Königin, die viel besser als Laios geeignet ist, Stabilität zu bringen (aber wer sieht das schon?), ist ebenfalls eine tragische Figur, die einen Teil der Schuld trägt: Sie kann sich kein anderes Leben vorstellen als das, das ihr die thebanische Gesellschaft vorgeschrieben hat. Ihre Mission ist es also, ein Kind zur Welt zu bringen, und sie wird diese Mission um jeden Preis erfüllen. Der polimorfe Text von Roland Schimmelpfennig scheint diese biografische Lücke füllen zu wollen und lädt uns in einen spielerischen Raum ein, um ein Rätsel wie das der Sphinx zu lösen, in dem die Schauspieler gemeinsam mit dem Publikum den Mythos eines fiktiven Laios erzählen. Es ist ein Spiel, das manchmal überraschend von einem ernsten und tragischen Ton zu einem gegenkulturellen oder trashigen Punk-Diskurs übergehen kann, aber es geht weiterhin darum, dass die Figuren – Laios, Iokaste, der entführte junge Cryssipus – ein mögliches Gleichgewicht zwischen individueller Freiheit und Verantwortung gegenüber der Gruppe finden. Das Ignorieren des Orakels hätte klar definierte Folgen für die Polis, und der zweite Teil des Stücks ist eine Galerie von Fehlschlägen, in der die Figuren vier verschiedene Szenarien durchspielen, von denen sich keines als akzeptabel erweist. Das Zusammensetzen dieses Puzzles bringt subversive Ideen und Einstellungen zum Vorschein, die wir wiedererkennen und die im Kontext unserer aktuellen Bedürfnisse nach Freiheit, Zugehörigkeit, Sicherheit und Gleichberechtigung tatsächlich den tragischen Konflikt zwischen schnellem Fortschritt und Konservatismus widerspiegeln, der in der heutigen Gesellschaft so akut ist.