Auf hellem Feld ein Gartenzwerg./Daneben stampft die
Industrie./ Ein Kunststoffgalgen auf dem Berg./Ein Land geht
langsam in die Knie."
Das Gedicht von Rolf Bossert mit dem Titel
"Vierzeiler" entstand in der ersten Hälfte der 1980er Jahre und
konnte in dem Band "Neuntöter" veröffentlicht werden, was nicht nur
dem Lektor, dem Dichter Franz Hodjak, sondern auch der Dummheit der Zensur zu
verdanken ist. Dass es sich bei dem Gartenzwerg um den Diktator Ceaușescu
handelte, war jedem klar, der das Büchlein zur Hand nahm, während die letzte
Zeile keiner weiteren Erklärung bedarf. Eine Rezension zu dem Band konnte nicht
mehr erscheinen, denn Bossert hatte um die Ausreise angesucht und war zur
persona non grata geworden.
Bossert und anderen jungen rumäniendeutschen Autoren wurde
zum Verhängnis, was die Mitglieder der Aktionsgruppe Banat, zu der er zählte,
in der ersten Hälfte der 1970er Jahre zum literarischen Programm erhoben
hatten: Sie wollten ihre Lebensverhältnisse unbeschönigt beschreiben. Sie
flüchteten nicht in Traumwelten oder in die Innerlichkeit, sondern suchten die
kritische Auseinandersetzung. Sie bekannten sich zu dem Land, in dem sie
lebten, sie wollten es nicht verlassen, sie wollten es mit ihrer Dichtung
verändern. Zuletzt aber waren sie genötigt zu schweigen und zu gehen.
Von den damals jungen rumäniendeutschen Autorinnen und Autoren,
von denen viele aus dem Banat kamen, ist die Literaturnobelpreisträgerin Herta
Müller die bekannteste. Doch auch andere, die vertrieben wurden, schwiegen
nicht darüber, was sie hatten erleben müssen: Richard Wagner, Johann Lippet.
Rolf Bossert aber verstummte - nur Wochen nach seiner Ausreise nahm er sich
Anfang 1986 in Frankfurt am Main 33-jährig den Rest des Lebens, das ihm durch
physische und psychische Gewalt und Verfolgung durch die gewaltsamen Hüter der
Diktatur bereits genommen worden war.
Wir laden Sie herzlich zu der Performance mit den Musikern
Maurice de Martin (Deutschland), Sian Brie (Reschitza) und den beiden
Mitgliedern des DSTT-Ensembles Oana Vidoni und Alexandru Mihăescu ein!
Das Deutsche Forum für das östliche Europa in Zusammenarbeit
mit dem Deutschen Staatstheater Temeswar
Offizieller Partner: Konsulat der Bundesrepublik Deutschland
in Temeswar