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Zum Andenken an Johann Lippet (1951-2026)

Das Deutsche Staatstheater Temeswar drückt seine tiefe Trauer über den Tod des Schriftstellers Johann Lippet aus, eines Dichters, Prosaautors und einer der bedeutendsten Stimmen der deutschsprachigen Literatur in Rumänien. Johann Lippet ist am Abend des 5. Oktober 2026 nach schwerer Krankheit verstorben.

Johann Lippet wurde 1951 in Wels, Österreich, als Sohn einer Flüchtlingsfamilie aus dem Banat geboren und kehrte 1956 zusammen mit seiner Familie nach Rumänien zurück. Die Erfahrungen dieser Rückkehr und die bewegte Geschichte seiner Familie sollten später zum Stoff für ein umfangreiches episches Gedicht, „biographie. ein muster. poem“, werden, das 1980 in Bukarest erschien und später ins Rumänische übersetzt wurde.

Lippet gehörte zu jener Generation deutscher Schriftsteller aus dem Banat, die in den 1970er Jahren versuchten, ihre eigenen Ausdrucksformen zu finden und die Realitäten der Gesellschaft, in der sie lebten, zu hinterfragen. Er war eines der Gründungsmitglieder der Aktionsgruppe Banat, einer literarischen Gruppe, die zwischen 1972 und 1975 junge deutschsprachige Autoren aus dem Banat zusammenbrachte. Die Auflösung der Gruppe infolge des Drucks durch die Securitate bedeutete jedoch nicht das Ende von Johann Lippets literarischem Schaffen.

Für das Deutsche Staatstheater Temeswar ist Johann Lippet untrennbar mit der Geschichte der Einrichtung verbunden. In der Zeit von 1978 bis 1987 war er als Dramaturg des Theaters tätig und trug zur künstlerischen und literarischen Arbeit der Institution, in einer Periode, in der der deutsche Kulturraum in Rumänien einem immer stärkeren Druck ausgesetzt war, bei. Parallel dazu setzte er seine Tätigkeit im Rahmen des deutschen Literaturkreises des Schriftstellerverbandes Temeswars fort.

Am DSTT war Lippet für die Dramaturgie zahlreicher beliebter Volksstücke und Komödien verantwortlich, die im banatschwäbischen Dialekt verfasst wurden, darunter: „Zwei Krawatten“, „Silvesterparty“, „Schöne Yu“, „Zwei Schwestern“, „Die Wirtschafterin“, „Liederabend“, „E Schwowestick mit … Blechmusik“ usw. Diese Stücke haben die Identität der deutschen Minderheit entscheidend geprägt. Zudem wirkte er an der Inszenierung von Werken deutscher Klassiker wie Goethe und Schiller mit sowie an staatlich autorisierten Übersetzungen zeitgenössischer rumänischer Texte. Zu seinen Aufgaben gehörten die Texteinrichtung und die Erstellung der Programmhefte.

1987 wanderte Johann Lippet, wie andere deutsche Schriftsteller aus Rumänien auch, in die Bundesrepublik Deutschland aus. Dort setzte er sein literarisches Schaffen fort und veröffentlichte zahlreiche Bände mit Gedichten, Prosa und autobiografischen Texten. Die Welt des Dorfes Wiseschdia (rumänisch Vizejdia), dem Ort seiner Kindheit, blieb eines der zentralen Themen seines Werks und wurde in seinen Schriften zu einem Ort der Erinnerung, der Identität sowie der persönlichen und kollektiven Geschichte.

Mit seinem Werk hat Johann Lippet die Erinnerung an eine vergangene Welt lebendig gehalten und einer Generation von Schriftstellern eine Stimme gegeben, die entscheidend zur Prägung der deutschen Literatur in Rumänien in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beigetragen haben.

Das Deutsche Staatstheater Temeswar spricht der Familie, den Freunden, den Kollegen und allen, die Johann Lippet kannten und schätzten, sein aufrichtiges Beileid aus.

Wir werden sein Andenken durch sein Werk und durch den Platz, den er in der Kulturgeschichte Temeswars einnimmt, lebendig halten.

Möge Gott seiner Seele gnädig sein und ihm den ewigen Frieden schenken.